Science Dome Göttingen

Ort der Wissenschaft in der Stadt die Wissen schafft

Konzeptskizze zur Errichtung eines "Science Dome" in Göttingen
verfasst vom Förderkreis Planetarium Göttingen e.V. (FPG)
Dezember 2007

Förderkreis Planetarium Göttingen

In dieser Konzeptskizze sollen in knapper Form Argumente und Fakten zusammengestellt werden, die für den Betrieb eines Planetariums in Göttingen sprechen. Es wird dargestellt, welche modernen, audio-visuellen Techniken heutzutage in derartigen Einrichtungen zum Einsatz kommen und welche Möglichkeiten der Nutzung sie dem Betreiber eröffnen. Insbesondere werden die Vorteile beschrieben, die eine solche Einrichtung in Göttingen mit seiner Wissenschaftstradition, seiner exzellenten aktuellen Forschung und seiner Stellung als wirtschaftliches Oberzentrum für Südniedersachsen und umgebende Regionen entfalten kann.

Technische Details zu baulichen Gestaltungsmöglichkeiten, den audio-visuellen Einrichtungen sowie Abschätzungen von Personalbedarf und Kosten sind im Anhang zusammengefasst.

Kontaktinformation:

Förderkreis Planetarium Göttingen e. V.
c/o Dr. Thomas Langbein
Nordhäuser Weg 18
37085 Göttingen
Tel. 0551 7704501
e-mail: vorstand@planetarium-goettingen.de
Internet: www.planetarium-goettingen.de

Vorgeschichte: Vom Planetarium zum »Science Dome« für Göttingen

Der Förderkreis Planetarium Göttingen e.V. (FPG) wurde im April 1994 von einer Gruppe von Astrophysikern mit dem Ziel gegründet, zur Vermittlung des naturwissenschaftlichen Weltbildes in Göttingen ein Planetarium zu errichten. Die rasante Entwicklung der audio-visuellen Medien und Projektionssysteme sowie der intensive Erfahrungsaustausch mit ähnlichen Einrichtungen an anderen Orten haben im Laufe der Zeit gezeigt, dass ein modernes Planetarium weit mehr bieten kann als die klassische Projektion eines Sternenhimmels und es sinnvoll ist, die Zielrichtung dieses Vorhabens zu verbreitern. Der FPG will daher nun eine Einrichtung schaffen, die einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Fachrichtungen ein Forum für die Öffentlichkeit bietet. Auch wenn ein Planetarium in seinen Wurzeln eine astronomische Einrichtung ist, stellt es durch die heute vorhandenen technischen Möglichkeiten einen idealen Ort für diese Aufgabe dar. Dieser erweiterte Anspruch soll durch die neue Bezeichnung »Science Dome« betont werden. Gleichwohl soll der »Science Dome Göttingen« seine astronomische Basis nicht verleugnen. Die allgemeinverständliche Vermittlung astronomischer Erkenntnisse wird ein wesentlicher Anteil des Angebots dieser Einrichtung bleiben.

Motivation

Göttingen ist seit 270 Jahren Ort der Wissenschaft. Mit der Gründung der Universität im Jahre 1737 hat die Stadt ein enormes Ansehen in der Welt gewonnen. In nahezu allen Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften haben hervorragende Gelehrte den Ruf Göttingens als Forschungsstandort erster Wahl begründet. Keine andere deutsche Universität hat so viele Nobelpreisträger hervorgebracht, nirgendwo sonst sind derartig viele fundamentale Beiträge zu Grundfragen unserer Existenz entstanden. Das »Mekka der Physik« lag in den 1920’er Jahren in Göttingen. Trotz des Niederganges während der nationalsozialistischen Zeit war und ist die Wissenschaft weiterhin das Lebenselixier der Stadt und wird es durch den Erfolg der Georgia Augusta in der Exzellenzinitiative (Schlagwort »Elite-Universität«) und die intensive Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Rahmen des Forschungscampus Göttingen künftig noch stärker sein.

Allerdings gibt es deutliche Defizite in der lokalen öffentlichen Wahrnehmung dieser Tatsache. Wissenschaft, Lehre und deren Verwaltung bilden einen der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren der Region. Ca. 12 000 Arbeitsplätze hängen unmittelbar, noch einmal gut die dreifache Anzahl mittelbar von der Existenz der Universität ab. Es sollte also ein vitales Interesse daran bestehen, diese Grundlage wirtschaftlicher Prosperität zu erhalten und auszubauen. Dazu aber ist es notwendig, die wissenschaftliche Tradition und aktuelle Leistungsfähigkeit und deren Bedeutung für die Stadtgeschichte in der Öffentlichkeit wahrnehmbar zu machen.

Hier setzt unsere Idee an: der »Science Dome Göttingen« soll einen herausragenden Ort bieten, an dem Wissenschaft im Allgemeinen und deren lokaler Bezug im Besonderen in einem sehr direkten Sinn erlebt werden kann.

Idee

Kern des »Science Dome« ist das klassische Projektionsplanetarium wie es 1923 in Deutschland erfunden wurde: In einem Saal mit halbkugelförmiger Projektionsfläche als Decke erlaubt ein in dessen Zentrum stehender Spezialprojektor eine naturgetreue Wiedergabe des Sternenhimmels und die Veranschaulichung seiner Veränderungen im Zeitraffer. Für jedes beliebige Datum und für jeden beliebigen Ort auf der Erde kann die sichtbare Himmelshemisphäre und die Position von Sonne, Mond und Planeten ebenso dargestellt werden, wie die Bewegung der Gestirne im Tages- und Jahresverlauf. Mit Hilfe von Zusatzprojektoren können weitere Informationen effektvoll präsentiert werden, so dass die Einrichtung in ihrer Grundausstattung die vermutlich erste von Menschen systematisch betriebene Naturwissenschaft - die Astronomie - in eindrucksvoller Weise vermitteln kann.

Dies allein könnte für eine Stadt wie Göttingen schon Anlass genug sein, einen »Science Dome« zu bauen. Denn Göttingen ist seit über 250 Jahren traditionsreicher Standort astronomischer Forschung. Die 1816 fertig gestellte Universitäts-Sternwarte, deren erster Direktor Carl-Friedrich Gauß war und die derzeit mit breiter finanzieller Unterstützung in den historischen Zustand zurückgebaut wird, zeugt von dieser Tradition. In direkter Nachfolge der Sternwarte steht das Institut für Astrophysik in Göttingen, die einzige universitäre Forschungsstätte für Astrophysik in Niedersachsen. Mit dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau gehört eine weitere astrophysikalische Forschungseinrichtung von Weltruf zum Forschungscampus Göttingen.

In den vergangenen 10 Jahren aber sind durch den Einzug der digitalen Technik völlig neue Dimensionen für Planetarien eröffnet worden. Die Kuppel ist nicht mehr nur für die dynamische Präsentation des Universums - ergänzt um bestenfalls auf kleine Kuppelbereiche beschränkte Informationen durch Dias und Videoprojektion - nutzbar. Vielmehr wird die gesamte Kuppel für bewegte Bilder beliebigen Inhalts zugänglich. Die digitale Ganzkuppelprojektion ermöglicht es, sowohl die Erde virtuell zu verlassen und in die Tiefen des Universums einzudringen, als auch den Blick nach innen zu richten und in mikroskopische Strukturen einzutauchen. Die Reise beispielsweise in eine Zelle oder noch tiefer in die Welt atomarer und subatomarer Strukturen wird zu einem umfassenden Erlebnis. Auch nicht primär naturwissenschaftliche Disziplinen wie etwa Archäologie oder Geschichte finden hier die Gelegenheit in außergewöhnlicher Weise ihre Erkenntnisse zu präsentieren. Und der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Damit wird das Planetarium zum Ort universeller Wissenschaftspräsentation - also im wahrsten Sinn zu einem »Science Dome«.

Nutzung

Der »Science Dome« Göttingen soll ein Ort der Begegnung sein und Menschen zusammenführen, die z. B. ein Interesse daran haben, sich mit grundlegenden Fragen unserer Existenz auseinanderzusetzen, oder auch einfach nur neugierig sind, was die Wissenschaft zu bieten hat. Ein vielfältiges Programmangebot soll diesen Bedürfnissen gerecht werden und Wissenschaft für Menschen unterschiedlicher Alters- und Bildungsstufen in verständlicher Form präsentieren. Der »Science Dome« übernimmt somit eine Übersetzungsfunktion, die wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche Sprache überträgt. Und was verstanden wird, kann von der Öffentlichkeit auch leichter akzeptiert und weiter getragen werden.

Aber nicht nur darin liegt der Nutzen für die Wissenschaft, sondern sie kann diesen exklusiven Ort direkt zur »Produktion« neuer Erkenntnisse einsetzen, indem er im Rahmen von Kongressen zum wissenschaftlichen Austausch verwendet wird. Mehr noch: Die Visualisierungsmöglichkeiten von Daten können tiefere Einsichten in wissenschaftliche Ergebnisse bieten, die zu neuen Qualitäten in der Forschung führen.

Wissenschaft ist Teil unserer Kultur. Es soll auch Aufgabe des »Science Dome« sein, diesen Zusammenhang darzustellen. Das heißt, der »Science Dome« wird anderen kulturellen Aktivitäten im Rahmen seiner Möglichkeiten ein Forum geben. Und diese Möglichkeiten sind vielfältig: Theater, Musik, Lesungen, Ausstellungen finden hier einen außergewöhnlichen Schauplatz. In Kombination mit den technischen Möglichkeiten eröffnen sich darüber hinaus neue Ausdrucksformen kulturellen Schaffens. Aus den Erfahrungen bestehender Planetarien wissen wir, dass dieses Angebot zunehmend von Privatleuten, Künstlergruppen und Firmen angenommen wird, um Sonderveranstaltungen künstlerischer oder repräsentativer Art durchzuführen. Auch hier eröffnet sich ein weites Feld unerschlossener Anwendungsmöglichkeiten.

ANHANG

Technische Details

Ein wichtiger Faktor für die Ausgestaltung der Idee ist der Standort der Einrichtung. Göttingen ist keine Großstadt, aber sehr wohl ein Oberzentrum in der Region Südniedersachsen, Nordhessen und Westthüringen. Für das damit vorhandene Besucherpotenzial ist eine Kuppelgröße von 12-15 Meter Durchmesser angemessen. Dies entspricht einer Grundfläche unter der Kuppel von 110-180 m2 und einer Raumhöhe von 8-9,5 m. Je nach Bestuhlung bietet ein solcher Raum Platz für 100 bis 150 Besucher.

Die Innenkuppel ist als Leichtmetallkonstruktion mit spezieller Leinwandbespannung erhältlich und braucht, auch wegen der besseren Akkustik, nicht massiv ausgeführt zu werden. Das umgebende Gebäude muss daher keine besondere Form haben, sondern lediglich einen genügend großen Raum bieten, der die Kuppel aufnehmen kann.

Gleichwohl bieten sich bei einem Neubau interessante architektonische Möglichkeiten, durch eine attraktive Gestaltung der Außenhülle der Kuppel städtebauliche Akzente zu setzen.

Die Größe der Kuppel bildet die wesentliche Rahmenbedingung für die Auslegung der Projektionseinheiten.

Für die digitale Ganzkuppelprojektion gibt es mehrere Alternativen. Komplettsysteme - bestehend aus Laser-, DLP- oder LCD-Projektoren, Rechnerhardware (PC oder Mac) und speziellen Softwarekomponenten - werden von verschiedenen Firmen für alle Kuppelgrößen angeboten. Für die Göttinger Bedürfnisse kommen die Produkte der Firmen ZEISS, SkySkan, Evans & Sutherland und ColorPhysics in die engere Wahl. Alle Systeme erlauben es, beliebige dynamische Prozesse in Echtzeit zu simulieren und in hoch aufgelöster Form in die Kuppel zu projizieren. Softwaretools ermöglichen die Erstellung eigener Produktionen, so dass der Einsatz von vorgefertigten Programmen - wie sie z. T. von den Herstellern der Systeme angeboten werden - nicht zwingend ist. Je nach Wahl des Systems reichen zwei bis fünf digitale Projektoren, um die gesamte Kuppel in höchster Brillanz auszuleuchten. Mit dieser Ausstattung an Projektionstechnik können alle klassischen Planetariumsanforderungen erfüllt werden.

Die bisher notwendigen zusätzlichen Dia-Projektoren für Panoramen und statische kuppelausfüllende, sog. Allsky-Bilder können durch die digitale Technik ersetzt werden. Sogar der zentrale Sternenprojektor könnte auf eine zweite Ausbaustufe verschoben werden.

Allerdings kommt die Qualität des digitalen Sternenhimmels in keiner Weise an die naturgetreue Abbildung eines speziellen Planetariumsprojektors heran, so dass als Attraktion des »Science Dome« ein derartiges Gerät unbedingt vorgesehen werden sollte - zumindest sollte die Option eines nachträglichen Einbaus bei der Planung berücksichtigt werden. Aus deutscher Produktion bietet einzig die Firma ZEISS mit den Geräten STAR-MASTER oder ZKP 4 passende Technik an. Qualitativ vergleichbar sind die Modelle SUPERURANUS und CHRONOS der japanischen Firma GOTO.

Hinzu kommen Audio- und Klimatechnik, die beide individuell den baulichen Gegebenheiten angepasst werden müssen.

Um alle beschriebenen Veranstaltungsoptionen optimal nutzen zu können, wäre es vorteilhaft, den zentralen Projektor versenkbar einzubauen, damit bei Bedarf eine freie Fläche in der Kuppelmitte zur Verfügung steht. Dazu sollte im Gebäude unter der Kuppel ein Schacht mit Hubeinrichtung vorgesehen werden. Falls dies aus baulichen Gründen (z. B. bei Umnutzung einer bestehenden Immobilie) nicht möglich ist, kann mit entsprechender Bestuhlung des Kuppelsaals dennoch eine vielfältige Nutzung ermöglicht werden.

Personalbedarf

Zum Betrieb des »Science Dome« werden als Minimalausstattung eineinhalb Vollzeit-Stellen für Konzeption und Produktion von Programmen, sowie für die Technik (Rechneradministration, Projektorpflege, allgemeine Instandhaltung) benötigt. Hinzu kommen für den Vorführbetrieb Hilfskräfte, die bedarfsorientiert auf Honorarbasis beschäftigt werden. Für die ökonomische Basis des »Science Dome« ist der Betrieb eines Shops sehr nützlich. Hier wäre zusätzliches Personal nötig, sofern nicht eine Pachtlösung mit einem externen Betreiber profitabler ist.

Der beschriebene Personalbedarf ist an der typischen Ausstattung kleinerer und mittlerer Planetarien orientiert. Diese verfügen häufig über vergleichbare technische Einrichtungen. Es können daher relativ einfach Programmangebote untereinander ausgetauscht werden, was die Produktionskosten senkt, aber trotzdem die Programmvielfalt sicherstellt.

Die vorgesehenen Mittel sind ausreichend, um 1-2 eigene Programme pro Jahr für den »Science Dome« Göttingen zu produzieren. Darüber hinaus soll der Vorteil des wissenschaftlichen Umfeldes am Standort Göttingen genutzt werden, um weitere Programme in enger Kollaboration mit Universitäts- und Forschungseinrichtungen zu erstellen. Dabei können Wissenschaftler und Studierende unmittelbar in die allgemeinverständliche Weitergabe aktueller Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit eingebunden werden. Auch internationale Organisationen, wie z. B. die Europäische Raumforschungsorganisation (ESA) unterstützen Aktivitäten, ihre Ergebnisse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, indem sie laufend neueste Forschungsergebnisse in geeigneter medialer Aufbereitung zur Verfügung stellen.

Weiterhin sind wir zuversichtlich, dass aus dem Kreis unserer 170 Vereinsmitglieder etliche qualifizierte Personen (wie z. B. in den USA durchaus üblich, auch und gerade Senioren) bereit sein werden, den Betrieb substanziell und ehrenamtlich zu unterstützen. Außerdem sollen durch die Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrern auch verstärkt Jugendliche für die Mitarbeit bei der Altersgruppen bezogenen Präsentation wissenschaftlicher Themen interessiert werden.


Stand: Dezember 2007 (TL, KR)


[ Home]   [ Veranstaltungen]   [ Kontakt]   [ Sternenhimmel]   [ Aktuell]   [ Ziele]   [ Planetenweg]   [ Pressemitteilungen]   [ Sonstiges]  
Letzte Änderung: 3. Januar 2008, KR