Sternenhimmel über Göttingen

current night sky over Göttingen
Aktueller Himmel von AstroViewer®

Aktuelle Himmelsereignisse

Der Sternenhimmel im dritten Quartal 2017

von Jürgen Krieg (Förderkreis Planetarium Göttingen e.V.)

Mond- und Sonnenfinsternis

Am Montag, den 7. August, kann zu Sonnenuntergang eine partielle Mondfinsternis teilweise beobachtet werden. Zu Mondaufgang in Göttingen um 20:48 Uhr hat die Finsternis schon ihre maximale Phase (um 20:21 Uhr mit 25 %) überschritten. Bis 21:19 Uhr kann noch verfolgt werden, wie die Verdunkelung am unteren, linken Mondrand nach und nach weniger wird. Da der Mond gerade erst aufgeht und somit noch sehr tief am Horizont steht, ist eine freie Sicht auf den Südost-Horizont nötig.

14 Tage später zu Neumond findet eine totale Sonnenfinsternis statt. Diese ist nur in einem kleinen Teil Deutschlands für wenige Minuten vor Sonnenuntergang zu beobachten. Dazu muss man in den Nordwestteil des Landes reisen, etwa westlich einer Linie Köln-Flensburg. Neben gutem Wetter wird auch eine exzellente Horizontsicht benötigt. Es werden nur etwa zwei bis vier Prozent der Sonnenscheibe durch den Mond bedeckt. Auch wenn die Sonne schon ganz nahe am Horizont steht, darf man auf keinen Fall ohne Schutzmittel (z. B. Sonnenfinsternisbrille) direkt in die Sonne schauen! Augenschäden wären die Folge. Wer die Sonnenfinsternis komplett beobachten will, muss in die USA reisen.

Merkur am Morgenhimmel

Mitte September kann Merkur am Morgenhimmel beobachtet werden. Ab dem 11. sollte ein Versuch gestartet werden. Gegen 5:30 Uhr steht der Planet dann soweit über dem Osthorizont, dass er mit einem Ferngas aufgesucht werden kann. Dazu ist Zeit bis etwa 6:15 Uhr. Danach ist Merkur in der heller werdenden Morgendämmerung nicht mehr zu sehen. Bis zum 21. besteht nun täglich die Möglichkeit, den sonnennächsten Planeten aufzusuchen. Dabei verschiebt sich das tägliche Sichtbarkeitsfenster auf den Zeitraum zwischen 6 Uhr und 6:45 Uhr am letzten Tag. Eine freie Sicht zum Horizont ist notwendig, da Merkur nie mehr als 10 Grad hoch steht. 10 Grad entsprechen bei ausgestrecktem Arm etwa der Höhe einer senkrecht gestellten Faust. Den Rest des Quartals ist Merkur nicht zu beobachten.

Mars und Venus

Zusammen mit Merkur sind Mitte September auch noch Mars und Venus am Morgenhimmel zu beobachten. Am 16. des Monats wandert Merkur in nur 0,06 Grad (zum Vergleich: 1 Vollmonddurchmesser ungefähr 0,5 Grad) Entfernung an Mars vorbei. Das Ereignis lässt sich nur mit einem Fernglas verfolgen, da Mars zu lichtschwach ist, um ihn so tief über dem Horizont mit bloßem Auge zu sehen.

Mit diesem Zusammentreffen eröffnet Mars seine nächste Sichtbarkeitsperiode. Mit bloßem Auge ist der rote Planet ab etwa dem 20. September morgens nach 5:30 Uhr zu beobachten. Bis Quartalsende verfrüht sich sein Aufgang um mehr als 15 Minuten.

Venus steht Mitte September ebenfalls nicht weit von Merkur entfernt. Sie eignet sich gut zum Auffinden der anderen beiden Planeten, da sie aufgrund ihrer großen Helligkeit sofort am Osthimmel auffällt. Fährt man mit dem Ferngas von ihr aus zum Horizont und ein klein wenig nach links, dann sollten Merkur und Mars im Gesichtsfeld erscheinen.

Im Laufe des Monats wandert Venus an Regulus vorbei. Er ist der hellste Stern im Sternbild Löwe. Am 20. trennt die beiden Himmelskörper nur etwa ein Vollmonddurchmesser.

Zu diesem Quartett, bestehend aus Merkur, Mars, Venus und Regulus, gesellt sich am 18. und 19. September noch die sehr schmale Sichel des abnehmenden Mondes. Beste Beobachtungszeit ist gegen 6:15 Uhr. Um das Schauspiel genießen zu können, ist neben dem freien Blick zum Osthorizont auch ein Fernglas nötig.

Venus kann das gesamte Quartal hindurch am Morgenhimmel beobachtet werden. Sie steht im August in der beginnenden Morgendämmerung fast 20 Grad über dem Osthorizont. Am 1. Juli geht Venus kurz vor 3 Uhr morgens auf. Im Laufe des Quartals tritt sie immer später über den Horizont. Am letzten Tag des Quartals geht sie erst um 5 Uhr auf. Da die Nächte nun aber schon deutlich länger sind, kann Venus morgens dennoch gut beobachtet werden.

Jupiter und Saturn

Jupiter wird zum Objekt des Abendhimmels. Geht er am 1. Juli noch um 1:19 Uhr unter, sinkt er am 1. September schon kurz vor 21:30 Uhr unter den Horizont. Ab Mitte September bleibt er für das bloße Auge unsichtbar. Er nähert sich seiner Konjunktion mit der Sonne und wandert mit ihr über den Taghimmel.

Saturn stand im Juni in Opposition und bleibt vorerst fast die gesamte Nacht hindurch beobachtbar. Ab August verabschiedet sich der Ringplanet aus der zweiten Nachthälfte. So geht er am Monatsersten noch um 2:14 Uhr unter, am Monatsletzten schon um kurz nach Mitternacht. Ende September hat sich der Saturnuntergang auf 22:16 Uhr verfrüht.

Der Sternenhimmel

Jetzt im Hochsommer bieten sich die lauen Sommernächte an, den Sternenhimmel in vollen Zügen zu genießen. Es ist die Zeit, in der die Milchstraße besonders gut zu beobachten ist. Kurz vor Mitternacht steigt sie über dem Südhorizont steil an. Beginnend im Sternbild Schütze zieht sie sich unter anderem durch die Sternbilder Adler und Schwan hin zur Kassiopeia und dem Perseus knapp über dem Nordost-Horizont. Besonders vom Schützen bis hin zum Schwan ist die Milchstraße gut zu verfolgen. Im Schützen selbst schaut man in Richtung Zentrum unserer Galaxie. Scheinbar sternenärmere Gebiete innerhalb der Milchstraße zeigen großräumige Dunkelwolken an. Diese bestehen aus Staub und Gas und lassen das Licht der dahinter liegenden Sterne nicht zu uns durchdringen.

Im Nordwesten ist nun tief über dem Horizont der Große Wagen zu finden. Im Westen steht der helle Stern Arktur im Sternbild Bootes.Im Osten gehen die ersten Herbststernbilder auf. Auffällig ist dabei das große Sternenviereck, welches zu den Sternbildern Pegasus und Andromeda gehört. Tief über dem nordöstlichen Horizont steht das schon erwähnte Sternbild Perseus. Es ist der Namensgeber für den Sternschnuppenstrom der Perseiden.

In jedem Jahr durchquert die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne von Ende Juli bis Ende August Staubwolken. Dringen die Staubteilchen in die Erdatmosphäre ein, verglühen sie und erscheinen als Sternschnuppen am Nachthimmel. Verlängert man die Bahnen aller dieser Sternschnuppen nach rückwärts, so treffen sie sich alle im Sternbild Perseus. Dies ist ein perspektivischer Effekt. Genauso wie bei einer Autofahrt bei Schneefall, scheinen alle Schneeflocken von einem Punkt vor dem Auto herzukommen, obwohl sie tatsächlich aus den Wolken zur Erde herabfallen. Bei den Sternschnuppen entspricht die Erde dem Auto. Die meisten Sternschnuppen sind in den Morgenstunden des 12. und 13. August zu sehen. Leider steht in diesem Jahr der abnehmende Mond am Himmel, so dass schwach leuchtende Sternschnuppen im hellen Licht des Mondes nicht wahrgenommen werden können.

Neumond ist im zweiten Quartal am 23.07., am 21.08. und am 20.09. Vollmond ist dann am 09.07., am 07.08. und am 06.09.

Viel Spaß beim Beobachten wünscht Ihnen der FPG!